Wie haben sich die ersten Spanier mit den Azteken und Mayas verständigt?

 Wie haben sich die ersten Spanier mit den Azteken und mit den Mayas verständigt?

    Haben Sie jemals den Namen Malinche oder den Begriff Malinchismus gehört? Malinchismus ist ein sehr geläufiger Begriff im spanischen Sprachraum und der bezeichnet eine Vorliebe für das Fremde und eine Abneigung gegen das Eigene. Das Wort wird zuweilen mit Verrat assoziiert. Woher stammt aber dieser teilweise politische Begriff und was hat die Eroberung Mexikos durch Spanier damit zu tun?

Die Einleitung

Als Hernán Cortés am 25. März 1519 auf der Halbinsel Yucatán landete, beherrschte er keine indigene Sprache fließend. Möglicherweise konnte er sich in gewissem Maße in der Sprache der Taíno ausdrücken, da er längere Zeit in der Karibik verbracht hatte und mit einer Frau aus ihrem Stamm zusammen war, mit der er sogar ein Kind bekommen hatte. Trotzdem sprachen die Maya, denen er zuerst begegnete, eine völlig andere Sprache, nämlich Yukatekisches Maya (Maya T'aan bzw. Mayathan). Die in der Karibik gesprochenen Sprachen halfen ihm somit damit kaum weiter, mit den Einheimischen zu kommunizieren. 

Mangels einer gemeinsamen Sprache verschlechterte sich die Stimmung rasch und beinahe wäre ein bewaffneter Konflikt ausgebrochen. Doch erschien ein Vermittler, eine unerwartete Schlüsselfigur, und entschärfte so die ernsthafte Krise durch ein Wunder entgegen aller Erwartungen. 

Vorgeschichte

    Cortés' Ankunft war keineswegs der erste Versuch der Spanier, in Mittelamerika Fuß zu fassen. Die Ressourcen der Insel Hispaniola, auf der sich heute die Dominikanische Republik und Haiti befinden, gingen allmählich zur Neige, nachdem die Spanischen Eroberer nahezu jeden Winkel der Insel ausbeuteten. Einige Jahre zuvor hatte der Gouverneur von Kuba, Diego Velázquez de Cuéllar, zwei Expeditionen entsandt. Sie erlitten jedoch eine vernichtende Niederlage gegen die Einheimischen der Halbinsel.

    Daraufhin organisierte Diego Velázquez eine dritte Expedition gegen 1519 und nannte Hernán Cortés zum Führer der Operation. Dennoch spannte sich die Beziehung zwischen beiden Männern kürzlich vor der Abfahrt an, weil der Gouverneur Cortés als zu ehrgeizig hielt. Obwohl er ihn seiner Position enthob, bestand Hernán Cortés darauf, dieses Abenteuer gegen die Befehle seines Vorgesetzten zu unternehmen.

    Hernán Cortés segelte infolgedessen am 18. Februar 1519 mit elf Schiffen von Kuba in Richtung der Halbinsel Yucatán und erreichte zunächst die Insel Cozumel. Dort begegnete er den Maya, einem indigenen Volk, das kein einheitliches Reich bildete, sondern in verschiedene Stämme gegliedert war
    
    Cortés' eigentliches Ziel war das Aztekenreich im heutigen Mexiko. Um dieses zu erreichen, musste er sich auf dem Landweg weiter ins Landesinnere bewegen. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich jedoch noch in einem Gebiet, das von verschiedenen Maya-Gruppen kontrolliert wurde.

Die erste Begegnung

    Sobald Cortés insgeheim das Festland am 18. März 1519 erreichte, wurde er von den Mitgliedern eines Maya-Stammes und anderer örtlichen politischen Einheiten umkreist. Verzweifelt standen Spanier den Einheimischen gegenüber. Während sich die Lage verschlimmerte, scheint der Krieg unmittelbar bevorzustehen. Nichtsdestoweniger erkannten sofort die dortigen Soldaten die Spanier und traten zurück, als sie jemand anderen innerhalb ihres Kreises kannten, der mutmaßlich Spanisch könnte. 

    Wenn sie heimgingen und diese sogenannten Spanisch sprechenden Menschen riefen, herrschte eine unermessliche Überraschung bei den Ankömmlingen. Beide spanisch sprechenden Männer sprachen nicht nur Spanisch, sondern waren sie Spanier und sie hatten sich der Maya-Kultur angepasst. Es handelte sich um Jerónimo de Aguilar und Gonzalo Guerrero, einen Franziskanermonch und einen Seefahrer aus der Krone von Kastilien. Sie hätten einen Schiffbruch in der Nähe der Halbinsel erlitten, nachdem sie 1511, 8 Jahre vor der Begegnung, unter der Führung von Diego de Nicuesa abgefahren wären. Infolge des Schiffbruchs waren beide Männer als einzige langfristige Überlebende gestrandet. Später wurden sie von den örtlichen Maya-Stämmen dergestalt betreut und geschützt, dass sich beide ihrer Kultur assimilierten und Gonzalo Guerrero sogar schließlich eine Familie innerhalb der Maya gründete.

Der erste europäischen Dolmetscher der neuen Welt 


    Die Anwesenheit von mayathansprachigen Spaniern in der Region war eine goldene unumgängliche Gelegenheit für Hernán Cortés weil sie als natürliche Dolmetscher zwischen beiden fungierten. Deshalb lud Cortés sie dazu wieder ein, sich ihrer Nation anzuschließen. Laut historischen Quellen hätte Jerónimo de Aguilar diese Nachricht demütig aus Dankbarkeit und Respekt vor seiner "Pflegefamilie" seinem Häuptling übermittelt. Als Antwort auf diese Anfrage erlaubt dessen Häuptling ihm nicht nur, zu seinen eigenen Landsmänner zurückzukehren, sondern beauftragte ein Geleit damit, sie zu begleiten. 

    Dennoch lehnte Gonzalo Guerrero diese Einladung unerwartet ab, indem er andeutete, dass er seine Familie nicht verlassen könnte und viel weniger sein "Volk". Sein ganzes Leben lang bis zu seinem Tod auf dem Schlachtfeld in einem Verteidigungskrieg gegen dieselben Spanier würde er seine starre und unerschütterliche Haltung zugunsten der Maya keinesfalls verändern. Gonzalo Guerrero fühlte sich selbstverständlich mehr Maya als Spanisch und die Spanier konnten nicht, laut der Darstellung der Archiven, Guerrero erkennen, weil er das Gesicht und den Körper wie die der Maya gefärbt hatte. Gonzalo Guerrero trat kurzum dem spanischen Heer bei der Eroberung Mexikos nie bei.

    Andererseits akzeptierte Jerónimo de Aguilar dieses Angebot gerne und verabschiedete sich von den Maya, um seinem spanischen Herrn zu dienen und seiner ursprünglichen Nation beim Feldzug beizustehen. Zu genau diesem Zeitpunkt kommt ein Botschafter aus dem Aztekenreich an, der muttersprachlich Nahuatl sprach. Ohne die Ausmaße der neuen Welt zu kennen, verlässt Cortés sich auf Maya sprechenden Dolmetscher, ist seine Zuversicht doch bald geplatzt. Die Unmöglichkeit, eine klare Kommunikation zu etablieren, verursacht Frust und Enttäuschung, da der neue Rekrut Jerónimo hatte keine Ahnung davon, welche Sprache der Botschafter ihnen sprach.

Ein Zweiter Glücksfall : Doña Marina

    Noch einmal verschoben sich die Chancen zugunsten der Spanier als eine Gefangene, die der Maya-Häuptling Hernán Cortés geschenkt hatte, eingriff und sagte, dass sie die Sprache des Botschafters konnte. Die Gefangene erwies sich als eine Mexikanerin, die in einer Schlacht zwischen Maya und Azteken gefangengenommen wurde. Deswegen beherrschte sie Nahuatl wie ihre Muttersprache und Yukatekisches Maya wie eine Fremdsprache. 

    Dank der Sprachkenntnis dieser Frau, deren echten Namen wir nie kennen werden, entstand eine Übersetzungskette vom Nahuatl über das Maya zum Spanischen. Die Kommunikation zwischen beiden Seiten wurde ermöglicht, reichte doch nicht für Cortés aus. Hernán Cortés erachtete die Übersetzungskette als klobig und unverlässig. So beauftragte Cortés seinen neuen Rekrut Jerónimo de Aguilar damit, der Maya und Nahuatl sprechenden Frau Spanisch beizubringen. 

    Die Frau wurde als Doña (Frau im Spanischen) Marina getauft und die Beziehung zwischen Cortés und Marina entwickelte sich bis zum Punkt des Konkubinats. Marina war zu Beginn eine simple Sklavin in Cortés' Besitz, aber gelang es ihr, ihre Freiheit durch die Liebe zu erwerben. Sie spielte eine zentrale Rolle in der Diplomatie und bildete neue Dolmetscher aus. Außerdem ging ihr Verhältnis darüber hinaus. Später gebar Doña Marina ein Kind von Cortés, obwohl sie letztendlich auseinandergingen. 

Von Doña Marina zu Malinche

     Apropos soll es dazu hinzugefügt werden, dass Doña Marina für viele nicht vertraut klingt. Der Name Malinche ist jedoch ziemlich bekannt, obwohl dies ihr ehemaliger indigener Name nicht von irgendeiner Quelle überliefert ist, die uns einen Hinweis davon gibt. Beide beziehen sich eigentlich auf dieselbe Person, weil die Azteken ihren Namen als Malinalli wie eine Alternative transkribiert hätten, was Gras bedeutete und im aztekischen Kalender wichtig war. So wurde Marina mit Malinalli und Malinche verbunden. Trotzdem ist deren Etymologie nicht eindeutig gesichert. In der Tat wird hier die Unterscheidung zwischen historischer Realität und Fiktion deutlich verschommen. Was den wirklichen Gebrauch dieses Namens angeht spräche Tlatoani, anders gesagt Kaiser, vom Aztekenreich Moctezuma II diese vorherige Gefangene Malintzin mit dem Ehrensuffix "-tzin" an, was mehr oder weniger "sehr ehrwürdige und edle Malina" bedeutete. Wie dem auch sei rief dieser Name im Laufe der Zeit den politischen Begriff Malinchismus hervor, der verräterische Abneigung jemandes gegen sein eigenes Vaterland bedeutet, weil Doña Marina gegen ihre eigenen Landsleute im Dienst der spanischen Krone gekämpft hätte.

Doña Marina

Fazit

    Zum Schluss kann man einfach sagen, dass die Eroberung der neuen Welt, insbesondere des Aztekenreiches, aus historischer Sicht einen viel komplexeren und vielschichtigeren Prozess darstellt. Auf zahlreichen Ebenen, bzw. sprachlicher Ebene, trugen sich viele Ereignisse zu. Die spanischen Eroberer hatten jedenfalls enormes, wundersames Glück im Hinblick auf Kommunikation und Sprachen. Während wir eine Neigung zur groben Vereinfachung aufweisen, steckt viel mehr hinter unseren zeitgenössischen Begriffen. Sie ermahnen uns, nach ihrer Geschichte zu suchen und neugierig zu bleiben.

Danke fürs Lesen
Athel.

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