Mein neues Leben in Paris

 Mein neues Leben in Paris

    Ich habe seit kurzem den Eindruck, meine Blogseite übermäßig stiefmütterlich behandelt zu haben, denn ich habe keinen Beitrag auf dieser Plattform seit fast drei Monaten veröffentlicht. Meine Abwesenheit hatte aber einen guten Grund dafür, den ich heute Ihnen anhand dieses Textes mitteilen möchte.

    Die gute Nachricht ist, dass ich im September dauerhaft für mein Studium nach Frankreich gezogen bin. Seitdem wohne ich ein bisschen außerhalb von Paris, nicht jedoch zu weit davon entfernt. Ich studiere jetzt in Vollzeit Wirtschaftswissenschaften an der Sorbonne. In der Tat habe ich Management während meines ersten Semesters studiert und danach mein Studienfach zu Wirtschaftswissenschaften gewechselt. Ich werde später im nächsten Text alles klarstellen, obwohl nicht in diesem. Keine Sorge!  


    Jedenfalls möchte ich eine faire Rezension des Lebens in Frankreich erstellen und darüber kommentieren, weil ich zugebe, dass ich bedeutsame Kulturschocks erlebt habe. Klar war der Tapetenwechsel nicht zu erschütternd, da ich mich schon auf einfach im Netz erreichbare Unterschiede, seien sie kultureller oder anderer Natur, gut vorbereitet habe. Meine Schocks sind eigentlich allmählich spürbar geworden.

    Also muss ich aufklären, dass ich auf den ersten Blick nicht sehr hohe Erwartungen von diesem himmlischen Land hatte, was zu meiner Zufriedenheit erheblich beitrug. Ich dachte, dass Paris eine schmutzige und gefährliche Stadt mit niederdrückender Stimmung sein sollte. Anders ausgedrückt, hatte ich mich dem Hass der Pariser auf ihre eigene Stadt angeschlossen. Auf jeden Fall fühlte ich mich bereits wirklich angeregt, mein Studium im Ausland, insbesondere an einer so vornehmen Universität, aufzunehmen. Dennoch konnte ich nicht umhin, meine Hoffnung niedrig und zu wenig anspruchsvoll zu halten. Vielleicht war dies eine unwillkürliche Antwort, mich besser einem so gründlichen und umfassenden Umschwung zu stellen. Es hat sich trotzdem als vorteilhaft für meine Integration in mein neues Land erwiesen.

Der Beginn der Geschichte


    Es lohnt sich besser, die Geschichte zurückzuspulen und alles von Beginn an zu erzählen. Seitdem ich klein war, träumte ich davon, im Ausland zu studieren, mich von einer anderen Kultur prägen zu lassen und eventuell stolz zu sein, einem anderen Vaterland anzugehören. Wenn ich in neunter Klasse war, hatte ich bereits unnachgiebig beschlossen, ins Ausland zu ziehen und diesen Lebenstraum zu verwirklichen. Meine Eltern waren damals nicht geschieden und häusliche Gewalt und Armut herrschten in meiner Familie. Mein Haushalt war von solchen chronischen Schwierigkeiten heimgesucht. Das Leben war ein ständiger Kampf wo ich rastlos mit abwechslungsreichen Problemen umging. Glücklicherweise haben sich meine Eltern 2022 geschieden. Allerdings hat das nur ausgeprägtere Armut bedeutet als ich angefangen hatten, ausschließlich mit meiner Mutter zu leben. Gegen mein letztes Jahr an der Highschool wurde ich an der freien Universität Brüssels zugelassen, konnte ich jedoch meine Zulassung annehmen und meine Einschreibung fortführen. Meine Mutter und ich verfügten über kein ausreichendes Kapital, das eine solch tiefgreifende Unternehmung ermöglichen sollte. 

    Dann haben wir angefangen, nach einem Job für mich zu suchen, als ich mich ein Lückenjahr überlegte. Den habe ich innerhalb von zwei Monaten bei einer Hotelkette gefunden. Sobald ich meine türkische "Abitur" abschloss, habe ich den frühesten Bus erwischt und bin ich nach Antalya gezogen, um im Callcenter eines Fünfsternehotels zu arbeiten. Dort habe ich seit Anfang Juni 2024 bis Ende August 2025 als mehrsprachiger Callcenter-Operator oder Callcenter-Angestellter gearbeitet. In der Zwischenzeit habe ich fast die Gesamtheit meines Lohnes auf mein neues Leben im Ausland gespart. Manchmal habe ich hin und wieder eine Mahlzeit ausgelassen, indem ich mich davon überzeugte, dass ich den nächsten beim Frühstück im Hotel kostenlos essen würde, ohne mein eigenes Geld für eine Bestellung auszugeben. Die Zeit verging, indem ich mich noch einmal bei bestimmten Universitäten bewarb, dann zugelassen wurde und letztendlich das Visum beantragte, bevor ich nach einer langen Suche als der letzte Schritt dieses Abenteuers eine Wohnung gemietet habe. 

    Ein halbes Jahr her war ich schon an mehreren Universitäten zugelassen wie Universität Gent und Löwen in Belgien außer der Sorbonne in Frankreich. Ich hatte deshalb mehrere Auswahlen aber ich habe mich schließlich zugunsten der Universität Paris I Panthéon-Sorbonne entschieden. Meine Auswahl hatte sicherlich ihre Gründe wie der gute Ruf der Universität auf internationaler Ebene oder die Absolventen, ehemaligen Studenten, die eine angesehene und gut bezahlte Position belegen oder ihr Rang in der Weltrangliste der besten Universitäten der Welt. Darüber hinaus musste ich die Stadt und die Gelegenheiten, die sie anbot, in Betracht ziehen, weil Paris sich aus Gent oder Löwen als eine vollständig riesige Stadt mit endlosen Möglichkeiten hervorstach. 

Meinungen über Studien in einer Großstadt


    Persönlich würde ich für alle Studieninteressierte eine Großstadt für ihr Studium empfehlen als eine Großstadt ihrerseits immer mehr Mühe und Mut erfordert, was sie zusätzlich über ihre Grenzen hinaus treibt und dazu zwingt, weiterzuwachsen. In der Hektik einer großen Metropole lernt man wirklich, mit zahlreichen Schwierigkeiten umzugehen, wie den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Stress der Menschen. Man lernt in einer Großstadt, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen.

    So eine Stadt bietet außerdem eine Unzahl an Möglichkeiten an, wenn Sie sich auf einer Kunst- oder Sportart aufbessern wollen. Städte wie Paris stellen Ihnen viele Theaterstücke, Kinofilme, Opern, Workshops, Konferenzen, Treffen und so weiter zur Verfügung. Einem kann nichts fehlen im Gegensatz zu kleineren Städten mit eingeschränktem Zugriff auf diese Aktivitäten.

    Eine kleine Stadt kann offensichtlich zu einem ruhigen, entspannten Naturliebhaber passen, sollte doch jeder meiner Meinung nach die Hektik einer Großstadt erleben. Nach dem Trubel kann man in eine ruhigere Stadt ziehen, ob für einen Master-Abschluss, eine Promotion oder die Arbeit, um die Ruhe völlig zu genießen. Auf jeden Fall bleiben meines Erachtens Großstädten eine unausweichliche Phase des Lebens.

Ankunft in Paris

    Zum Abschluss meiner Verwaltungsverfahren, um hierher zu kommen, bin ich schließlich am 5. September gegen 4 Uhr morgens ins Flugzeug gestiegen. Ich hatte zwei Gepäckstücke und einen Rucksack bei mir und ich war kurz davor, vor Müdigkeit ohnmächtig zu werden. Frankreich hatte für mich bereits begonnen, als ich mit Transavia flog und der Großteil der Flugzeugbesatzung vorwiegend Französisch sprach, obwohl sowohl die Piloten als auch die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter Englisch ausgezeichnet beherrschten beherrschten. Die Durchsagen des Pilots waren zunächst im Französischen und anschließend im Englischen. Darüber hinaus begann ich, hier und da Gespräche auf Französisch unter Passagieren zu hören.

    Der Flug von Istanbul nach Paris dauert etwa 4 Stunden und größtenteils versuchte ich, wach zu bleiben, was mir gegen Ende des Fluges jedoch nicht mehr gelang. Ich erinnere mich daran, dass ich mich irgendwann von meinem Sitz erhob und zur Toilette ging, bevor ich die Flugbegleiterin fragte, ob wir uns schon im französischen Luftraum befänden, wo wir uns sonst befanden und wie viel vom Flug noch übrig sei. Sie gab zu, sich dessen nicht sicher zu sein. Meines Erachtens überflogen wir zu jener Zeit entweder die italienische Stadt Mailand oder die französische Stadt Lyon. Zu meinem Leidwesen konnte ich bei der Landung nicht die Pariser Skyline aus dem Fenster sehen, obwohl ich am Fensterplatz saß.

    Schließlich landete mein Flugzeug auf dem Orly-Flughafen und ich stieg voller Gefühle aus—Mischung aus Freude, Aufregung und ein wenig Angst. Der Orly-Flughafen erwies sich als deutlich kleiner im Vergleich zum Istanbuler Flughafen. Ich hatte selbstverständlich weder Interverbindung noch Mobilfunktarif, um mit irgendjemandem, bzw. meiner Mutter Kontakt aufzunehmen.
    
Ich war jetzt offiziell in Paris, der Hauptstadt der Mode, der Stadt der Liebe, der Stadt der Lichter... Ich lief direkt auf die Passkontrollschalter zu, legte mein langfristiges Studiumsvisum vor und machte daraufhin mit dem Erwerb meiner ersten ÖPNV-Karte, sozusagen, Fahrkarte namens Navigo weiter. Dort ließ ich mich leider vom möglichst komplizierten Abonnementsystem abzocken und schaffte die falsche Karte an, die mir weniger Tage (ein einziger Tag) zu einem höheren Preis (etwa 31€) gewährte. Wenn ich sie heute mit meiner mit einem jährlichen uneingeschränkten Abonnement versehenen aktuellen Karte vergleiche, ist sie arg ein totaler Betrug. Mein einziger Tag kostete mich 31€ während das jährliche Abonnement nur 392€ kostete. Ich schaffte es ohnehin gesund und munter bis hin zur Residenz, die ich gemietet hatte, indem ich meine zwei Gepäckstücke klobig durch einen ausgedehnten Park zog. Klar, ich erwähne es hier nicht aber ich würde bald die Zurückzahlung meines ersten Abonnements, das mich 31€ gekostet hatte, verlangen, vergeblich.

Apropos: Genau hier ist sich meine erste glückliche und positive Begegnung mit Franzosen ereignet. Eine alte Dame, die sich beim Laufen auf ihren Gehstock stützte, kam auf mich zu und bot mir gefällig Hilfe beim Tragen meines Gepäcks an. Aus Höflichkeit lehnte ich ihr Angebot ab aber wir setzten klar den Dialog fort und unterhielten uns für noch eine Weile als wir denselben Gehweg entlanggingen.

Bis ich an meinen Wohnsitz angekommen war, glaubte ich nicht an seiner Existenz, um mich auf das Schlimmste vorzubereiten aber ich fühlte mich extrem erleichtert wenn ich aufs gestoßen bin. Das Gebäude, das vor mir stand, würde mein neues Zuhause, eine Art Zuflucht aus der Außenwelt, sein und es ist immer so. Ich habe eine Weile in der Vorhalle darauf gewartet, dass ein Angestellte zu mir herkam und mich bis hin zu meiner Wohnung und insbesondere meinem Zimmer begleitete. Es hat ein bisschen mehr gedauert, als ich es erwartet hatte. Die Müdigkeit war kurz davor, mich völlig zu überwältigen. Ich fühlte bereits keinesfalles meine Beine und ich habe dagegen angekämpft, auf jenem Sofa in der Halle das Bewusstsein zu verlieren. Schließlich ist jemand aufgetaucht und hat mir mein Zimmer zugewiesen. Alles war neu... fabrikneu. Kein Fleck verdarb das Zimmer. Weder das Bett noch die Toilettenschüssel waren gebraucht, weil die Agentur, die diese Wohnsitze verwaltete, diese schon vor etwa drei Wochen eröffnet hatte. All die Wohnungen waren somit fabrikneu, nie zuvor gebraucht.

Infolge meines Umzugs habe ich das Gebäude verlassen, um zum ersten Mal die Stadt der Lichter als ein Ausländer, ein Abenteurer zu erkunden. Alles war mir äußerst blendend und es fiel mir offensichtlich schwer, mich zurechtzufinden. Ich kannte die wichtigsten U-bahnlinien aber ich hatte gar keine Ahnung über das Busnetz und den Stadtplan. Ich blickte mich ständig um. Dann habe ich eine Bushaltestelle gefunden, unter der nur eine einzige Person saß, ein Jung, vermutlich zwischen 20 und 25 Jahren. Ich habe ihn gefragt, ob die die richtige Haltestelle war, um bis hin zum Stadtzentrum zu fahren.

Nach einem sehr langen Warten ist schließlich der Bus aufgetaucht und ich habe meine monatliche Fahrkarte zum ersten Mal benutzt. Der Bus hat mich zu einem luxuriösen, prächtigen Bezirk namens La Défense gebracht, wo ich die U-Bahn 1 oder den den U-Bahnen  ähnelden aber meist mit wenigeren Stationen versehenen und schneller fahrenden Zug namens RER A nehmen konnte. Sobald wie ich den Zug RER A bestiegen bin, habe ich mich im Zentrum Paris' innerhalb von einer halben Stunde gefunden. So hat mein neues Lebel in Paris angefangen.

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